FLAGGE ZEIGEN!?

Zu den Vorfällen auf der Demonstration am 3. Oktober
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Auf der Demonstration „Hart Backbord! – Für etwas Besseres als die Nation!“, organisiert vom Bündnis „Hart Backbord!, Hamburger autonome und antifaschistische Gruppen“, kam es am 3. Oktober zu einem Angriff auf israelsolidarische Antifaschist_innen.
Nicht einmal 5 Minuten, nachdem sich die kleine Gruppe, welche Israel-Fahnen mitführte, hinter dem Lautsprecherwagen in die Demo begeben hatte, näherten sich ihr zwei Personen aus dem Umfeld des „antiimperialistischen Stadtteilzentrum“ B5. Nachdem ihrem Verlangen nach Einpacken der Fahnen nicht nachgekommen worden war, griffen sie einen der Fahnentragenden an und versuchten unter Anwendung körperlich Gewalt die Flagge an sich zu bringen.
Bis auf eine Handvoll von Genoss_innen, welche sich zu der Gruppe stellten, war die Stimmung der Umstehenden klar gegen die Träger der Fahnen und ihre Begleitung gerichtet. Man hielt zwar die Schläger zurück, forderte jedoch immer wieder die israelsolidarischen Antifas zum Verlassen der Demo oder dem Ablegen der beiden Fahnen auf.

Es folgte die Ansage über den Lautsprecherwagen, dass es „Probleme mit Nationalfahnen gebe“ und die Aufforderung „Klärt das mal!“ – ob durch Entfernen der Fahnen oder der Angreifer wurde offengelassen…
In einem persönlichen Gespräch mit dem Anmelder solidarisierte dieser sich zwar mit den Angegriffenen. Die Vorfälle wurden jedoch weder über den Lautsprecherwagen weiter thematisiert, noch wurden – was eigentlich selbstverständlich sein sollte – die Angreifer bzw. ihre Unterstützer_innen, aufgefordert, die Demo zu verlassen oder zumindest ihre weiteren Provokationen und Rufe „Viva Palästina“ und „Intifada“ zu unterlassen.
Vielmehr beschimpften diese auch im weiteren Verlauf der Demonstration weiterhin die Träger der Fahnen des israelischen Staates als Rassisten, Zionisten und „Scheiß-Antideutsche“.

Ein Kommentar der Vorfälle erübrigt sich eigentlich – wer am 3. Oktober, auf einer gegen die deutsche Einheit/Deutschland gerichteten Demonstration Antizionist_innen und sogar ihr körperlich aggressives Verhalten toleriert, hat nichts verstanden von deutscher Geschichte, deutschen Verbrechen und deutscher Ideologie.

Immer wieder erstaunlich ist, dass dieses blau-weiße Stück Stoff solche emotional-aggressiven Reaktionen auslöst. Zwar verurteilen die meisten Anwesenden körperliche Angriffe, aber ebenso das Mitbringen solcher Insignien. Wer jedoch nur die Analyse vom deutschen Staat als einer Nation unter allen anderen als Nation/Nationalstaat zu verurteilenden Gebilden hat, muss logischerweise das Tragen jeglicher Nationalfahnen verurteilen. Solches Agieren zeigt deutlich die Ablehnung gegen den weltweit einzigen Schutzraum vor der weiterhin drohenden Vernichtung für Jüdinnen und Juden. Israels Existenz ist Konsequenz aus der von den Deutschen schon einmal weitgehend umgesetzten Auslöschung. Solidarität mit Israel – mit der effektiven Aufrechterhaltung der notfalls auch militärischen Sicherung des Staates – ist deshalb eine Bedingung jeglicher Emanzipation von den herrschenden Verhältnissen. Israel ist zwar nicht der Kommunismus. Wie auch immer der Weg zur communistischen Weltgesellschaft aussehen wird, klar ist: Israel sollte der letzte Staat sein, dessen Staatsgrenzen fallen – eben da die Bedrohung durch den antisemitischen Wahn auch dort noch immer wütet, wo für „etwas Besseres als die Nation“ demonstriert wird.
Dass auf einer solchen Veranstaltung die Fahne einer staatstragenden Partei („Die Linke“) mit einschlägig bekannten deutsch-nationalistischen und antisemitischen Tendenzen toleriert wird, ist dann eigentlich gar nicht mehr unverständlich. Unerklärlich bleibt vielmehr, warum ein Teil der Demonstrierenden ihre Pali-Tücher und antizionistischen Slogans nicht auf dem Einheitsfest zur Schau trug – dort wären sie mit ihrer „Palästina-Solidarität“, den hässlichen Halswickeln und ihrem National-Getue sicherlich willkommen gewesen. Und Israel-Fahnen gab’s da auch nicht.

http://flaggezeigen.tk/

Zu den nationalen Einheitsfeierlichkeiten am 3. Oktober 2008 in Hamburg

Vom 3. bis 5. Oktober finden in der Hamburger Speicherstadt und der HafenCity die nationalen Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit statt. Wir finden da gibt es nichts zu feiern, im Gegenteil. Mit unser Veranstaltungsreihe wollen wir Kritik an den deutschen Verhältnissen und seiner Ideologie üben um so das Ende Deutschlands etwas näher rücken zu lassen. Denn „Deutschland ist von Beginn an die prozessierende Konterrevolution geworden“.
Dazu finden ab dem 19. September verschiedene Veranstaltungen statt.

also… hoch dem nieder mit!
Für den Communismus!

137 Jahre deutscher Volksgemeinschaftswahn

„Deutschland du bist doch
acht Meilen hoch
das schlechteste Land der Welt“

(F.S.K.)

Deutschland ist von Beginn an die prozessierende Konterrevolution geworden. Die Basis für die Reichsgründung 1871 in Versailles bildete die Niederschlagung der Pariser Commune, eine gemeinsame Aktion mit den zuvor besiegten französischen Truppen, gipfelnd in dem Massaker an 30.000 Kommunard_innen, die sich bereits ergeben hatten. Doch die Deutschen wollten mehr. Zwischen 1904 und 1908 brachten sie als Kolonisatoren im damaligen Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, über 60.000 Hereros und 10.000 Namas um. Da für die Deutschen das, was sie bereits hatten, nie gut genug war, zettelten sie 1914 den ersten Weltkrieg an, der fast 10 Millionen Menschen das Leben und Deutschland endlich seine Kolonien sowie das immer noch als „deutsch“ geltende Elsass und unter anderem die seither als Verlust betrauerten Ostgebiete, Teile des heutigen Polens, kostete. Die Ansätze von Räten in verschiedenen deutschen Städten 1918/19 im Zuge der Novemberrevolution wurden von Freikorpsverbänden unter tätiger Mithilfe der SPD-Regierung zerschlagen und ihre bewusstesten Aktivist_innen zum großen Teil umgebracht. Der Geburtsort des expansiven Deutschen Reiches, Versailles, wurde der sich ständig modernisierenden aber niemals zu sich selbst kommen könnenden Volksgemeinschaft zum Schandfrieden, dem man lieber den totalen Krieg entgegensetzte. Dieses Mal starben 60 Millionen Menschen am deutschen Wahn, die Welt beherrschen zu wollen. […]

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Arbeitswahn, Krise und Wirtschaftspolitik
Zum verkehrten Zusammenhang von Politischer Ökonomie und deutschen Zuständen

mit JustIn Monday
Freitag, 19. September 19:00, Kölibri, Hein-Köllisch-Platz 12

Szenische Lesung gegen Deutschland
mit souslaplage
Mittwoch, 24. September 20:00, Golden Pudel Club, Am St. Pauli Fischmarkt 27

Wo die Liebe zu den Gesetzen im Staate ruht
mit Karina Korecky
Donnerstag, 25. September 19:30, Kölibri, Hein-Köllisch-Platz 12

Stadtrundgang „Kolonialmetropole Hamburg“
mit Heiko Möhle
Donnerstag, 25. September 17:00, Haupteingang des Hamburger Rathauses

„Kulturnation Deutschland“?
Podiumsdiskussion
Freitag, 26. September 20:00, Rote Flora, Achidi-John-Platz 1

Die Geschichte der antinationalen Linken
mit Thomas Ebermann
Donnerstag, 2. Oktober 18:00, Rote Flora, Achidi-John Platz 1

“Deutschland? – Nie wieder!”
Podiusmsdiskussion
Freitag, 3. Oktober, Übel und Gefährlich, Feldstrasße 66

This is not a lovesong – Pop und Deutschland
mit Roger Behrens
Freitag Montag, 6. Oktober 19:00, Fundbureau, Stresemannstraße 114
(sorry, uns war ein kleiner Fehler unterlaufen. Es handelt sich um Montag den 6.10, und nicht um einen Freitag!)

„The truth lies in Rostock“
Film
Donnerstag, 9.Oktober 18:30, 3001 Kino, Schanzenstraße 75

Es folgt noch eine Veranstaltungsankündigung zu “Antinationalismus und Israelsolidarität”.

Über den Umgang der Antifa mit deutscher Gedenkpolitik

Am Samstag den 19. Mai fand in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme die offizielle Gedenkveranstaltung für die Opfer des Konzentrationslagers statt.
Anwesend waren, neben Vertreter_Innen der Stadt und des Bundeskanzleramtes, Vertreter_Innen der Überlebenden-Verbände sowie mehr als hundert aus ganz Europa und der Ex-Sowjetunion angereiste KZ-Überlebende. Außer diesen hatten noch einige wenige politische Initiativen und Gruppen, sowie verschiedene andere Einzelpersonen den Weg in die KZ-Gedenkstätte Neuengamme gefunden. Waren in Bergedorf beim letzten kleinen Aufmarsch der Neonazis noch mehrere hundert Antifas aus Hamburg angereist, bemühten sich am 19.mai nur eine Hand voll Antifas in die Gedenkstätte.

Es war eine ganz besondere Gedenkveranstaltung, denn 62 Jahre nach Kriegsende und „Räumung“ des Konzentrationslagers war zum ersten Mal das gesamte ehemalige KZ-Gelände frei zugänglich bzw. konnte in den Monaten davor zu einem neuen Teil der Gedenkstätte erweitert und umgestaltet werden.

62 Jahre danach sind 62 Jahre zu spät

All die Jahre zuvor, von der Übergabe des ehemaligen „Lagebereichs“ durch die Alliierten Streitkräfte an die Stadt Hamburg 1948, bis 2005 bzw. 2007 wurde das Gelände des ehemaligen KZ von der Stadt Hamburg als Standort zweier Justizvollzugsanstalten genutzt. Nicht nur, dass die Stadt Hamburg dadurch knapp 60 weitere Jahre Profit aus diesem Gelände geschlagen hat, viel mehr noch hat sie damit sechs Jahrzehnte lang das größte je begangene „Verbrechen gegen die Menschheit“ (H. Arendt), in Norddeutschland bzw. Hamburg, sprichwörtlich überdeckt.

Erst nach mehr als sechs Jahrzehnten und einem langen beschwerlichen Kampf gegen das Vergessen, konnte der Ort des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme zur Gänze Gedenkstätte werden.
Ein Kampf, den zum allergrößten Teil KZ-Überlebende, allen voran die Amicale International KZ-Neuengamme, Angehörige, Genoss_Innen und andere politische Initiativen und engagierte Einzelpersonen, geführt haben.
Ohne diesen ständige Kampf gegen die leere Floskel des deutschen Gedenkens, wäre es nie zu dieser „würdevollen KZ-Gedenkstätte“ (Arbeitsgemeinschaft Neuengamme), wie sie es nun hoffentlich sein kann, gekommen.

Auch wenn dieser bitter erkämpfte Erfolg um würdiges Gedenken und Erinnern nun vorerst erzielt scheint, kommt er doch viel zu spät. Viele der ehemals Deportierten welche die deutschen Massenvernichtung überlebten, sind in den letzten 62 Jahren leider verstorben.
Mit ihnen ist bereits, ein großer Teil der Erinnerung an all die erlittenen und von Deutschen begangenen Verbrechen während des Nationalsozialismus gestorben und droht weiter zu verschwinden.
Es ist müßig in Anbetracht dieser Tatsachen, darüber zu diskutieren ob hier von einem „Erfolg“ gesprochen werden kann. Natürlich ist es ein Erfolg für all die Überlebenden und Angehörigen, wenn ihr ständiges Dagegenhalten gegen das Vergessen im bundesdeutschen Geschichtsumgang der Nachkriegszeit, sich zumindest an manchen Orten bezahlt macht. Dass diese Gedenkstätte, in einer Form wie sie es von nun an sein kann, schon viel früher hätte entstehen sollen, ist klar. Doch genau weil die Stadt Hamburg sich so lange versperrte und im Gegenzug noch mehr Profit aus diesem Ort schlug, ist dieser Erfolg ein besonders wichtiger. Durch die Anerkennung dieses Erfolgs, sollen Einsatz und Wille der Überlebenden und Angehörigen gewürdigt werden.

Doch anstatt zu sehen, dass die vollständige Einweihung der Gedenkstätte nach mehr als 60 Jahren, in Gedenken an all jene für die dieser Moment zu spät kommt, in ihrer eigentlichen Selbstverständlichkeit blanker Hohn ist, wird aus dieser eine Feierlichkeit gemacht.
Es besteht keinerlei Einsicht darin, dass dieser Umgang mit dem ehemaligen KZ-Gelände nichts Gutes über die deutsche Gedenkpolitik sagen lässt. Viel mehr setzen sich nun amtierende deutsche PolitikerInnen an die Spitze der Gedenkpolitik, um diesen nicht auf ihren Willen hin durchgesetzten Erfolg, als den ihren darzustellen. Der zum Glück erfolgreiche Druck gegen deutsche Gedenkpolitik, wird somit in eine Lobrede auf den eigenen ach so verantwortungsbewussten Umgang mit der Vergangenheit umgedeutet.

Jedoch sind Gedenkstätten, so sehr sie ein Abschließen mit der eigenen (deutschen) Geschichte verunmöglichen, zu zentralen Orten typisch deutscher Geschichtspolitik geworden. Größtes Anliegen ist es offenbar, Deutschland nach innen und außen als die ´andere´ doch so geläuterte Nation zu inszenieren. Diese, dem Tenor der deutschen Geschichtspolitik folgende, Inszenierung versucht allerdings aus Gedenkstätte entpolitisierte Museen zu machen. Museen die zwar Auseinandersetzung mit NS-Verbrechen suggerieren sollen, vielmehr jedoch losgelöst von jeder Verantwortung aus der eigenen Geschichte existieren. Dass diese Verpflichtung so nicht übernommen wird, zeigt sich nicht nur im Runterhandeln und Unterlassen von Entschädigungszahlungen, sondern beispielsweise auch im Anpreisen von doch so wunderbar hohen Besucher_Innenzahlen (wohlgemerkt zum Großteil Schulklassen die unter [Schul]`Zwang´ in Gedenkstätten gekarrt werden) gegenüber internationalen PolitikerInnen, wie eben auch staatlichen Vertreter_Innen Israels.
Gedenken ohne Verantwortung zu übernehmen und politische Konsequenzen zu ziehen, kann maximal deutsches Gewissen hin zu einem neuem positiven Nationalgefühl führen.
Dass viele Gedenkstätten im Moment noch nicht zu jenen farcenhaften Museen verkommen, ist nicht zuletzt auch einer immer wieder von Überlebenden(-verbänden) und Gedenkstätten-Pädagog_Innen, erkämpften Autonomie im Umgang mit der Vermittelung von NS-Geschichte zu verdanken.

Kampf dem Vergessen, heißt Deutschland bekämpfen

Klar ist, dass eine Politisierung und eine Intervention in die revisionistische Gedenkpolitik, wie sie von deutschen PolitikerInnen vollzogen wird, nur von Überlebenden und einer antifaschistischen Linken vorangetrieben werden kann. Erstere waren bisher die treibende Kraft im Kampf gegen das Vergessen, können diesen aber in Anbetracht ihres Alters nicht mehr ewig führen. Ihr Erbe, ihre Vorstellungen von Gedenken und die Verantwortung für das Erinnern weiterzutragen, muss Aufgabe einer sich als antifaschistisch verstehenden Linken sein. Die fehlende Präsenz großer Teile der Hamburger antifaschistischen Linken am 19. Mai zeigten jedoch kein gelebtes Bewusstsein hierfür. Einhergehend mit der fehlenden Würdigung der Überlebenden und ihrer letztendlich erfolgreichen politischen Forderungen zeigt diese Ignoranz eine Ablehnung dieser Verantwortung. Bei dieser auch international beachteten Gedenkveranstaltung wurde eine Chance verpasst, die Farce deutschen Geschichtsbewusstseins als solche offenzulegen und anzugreifen. Jeder noch so kleine Naziaufmarsch bekommt mehr Aufmerksamkeit von der radikalen Linken zugesprochen, als dieses internationale und medial viel beachtete Kristallisationsmoment deutschen Umgangs mit seiner NS-Vergangenheit. Als Antifaschist_In Verantwortung zu übernehmen, heisst nicht, jedem kleinen Dorfnazi hinterher zu jagen, sondern zum Beispiel auch, Solidarität mit den Überlebenden zu zeigen, ihr politisches Erbe zu übernehmen und dort zu intervenieren, wo hochoffiziell „Geschichte gemacht“ wird.

against! Gruppe gegen Deutschland